Auf dem Bahnsteig vor den Schienen,
wo ich in Ruhe für mich saß,
und ich still, gedankentrunken
in einem schönen Büchlein las,
hob ich dann und wann die Blicke.
Viel zu sehen gab's hier nicht:
'n Fuchs, 'n leeren Güterwagen,
und'n alten Bahner bei der Schicht.
Am Wagen blieb ich haften,
war plötzlich wie gebannt.
Da stand: "Tragkraft 13 Tonnen"
auf der Güterwagenwand.
Diese harmlos' kurze Notiz
schreckte mich aus meiner Ruh',
dass es mich sogleich durchzuckte:
"Wieviel Tragkraft hast denn du?"
Wieviel Tragkraft für das Leben?
Für Kampf? Mühe? Not? Und Leid?
Wieviel Tragkraft für Verkennung?
Härte? Und Ungerechtigkeit?
Wie viel Tragkraft um zu Lieben?
Fürs Schöne? Fürs Treiben dieser Welt?
Wieviel Tragkraft für die Nächsten?
Auch wenn einer strauchelt oder fällt?
Da fragt' ich mich in den Minuten
ernster Selbstprüfung ganz klar:
"Wie oft wohl Tragkraftmangel
Teil meines Lebens war?"
Aus dem Herzen stieg ein Seufzer
und mit ihm auch ein paar Zeil'n:
"Ach, Du liebe alte Seele,
Du bist nie zu schwach oder allein.
Mögen Tragkräfte dich bersten,
mit Wucht das Leben ström'n.
Doch nur, wer's tragen kann,
dem vermag es so zu gehen.
Drum had're zwar und leide,
aber sei Dir stets gewiss,
dass, wie alles sich auch wandelt
Du gut und recht bist, wie Du bist.
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Tom von Hohlfeld
